| Gruseltour
auf dem Rennsteig |
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Luxuriös hatten sich die Stasi-Genossen für den Weltuntergang
nicht gerade eingerichtet.
Der Bunker für die "Ausweichführungsstelle der Bezirksverwaltung
Suhl des Ministeriums für Staatssicherheit (MfS)" erinnert
eher an ein russisches Heizkraftwerk mit kahlen Betonwänden
und Versorgungsleitungen an der Decke.
Die Besucher der Anlage bekommen regelmäßig eine Gänsehaut.
Die Temperatur liegt um acht Grad, und die Sonne ist hinter einem
meterdicken Wall aus Beton und Erde verborgen. Trotzdem nehmen sie
an der Gruseltour auf dem Rennsteig teil.
Mindestens 15 Bunker hatte die Stasi in der DDR, aber nur die wenigsten
sind heute geöffnet.
Der 3.600 m² große Bunker im Thüringer Wald, im
Gelände des heutigen Waldhotel "Rennsteighöhe",
wird von der Familie Höhn mit bewirtschaftet, um ihn der Nachwelt
zu erhalten.
Nur zwei Minuten Fußweg entfernt vom "Waldhotel Rennsteighöhe"
befindet sich der Eingang in die Stasi-Unterwelt. Bis zur Wende
existierte der Bunker offiziell nicht, und auch sein Bau 1973 bis
1976 war so geheim, daß in der Nachbarschaft niemand etwas
bemerkte: Gleichzeitig wurden ein Militär-Ferienobjekt am Rennsteig
errichtet und Betontransporte heimlich in den Wald umgeleitet.
Wenn der Bunkerführer zur einstündigen Führung bittet,
setzt er eine ernste Miene auf. "Manchmal ist es gar nicht
so einfach, die erhitzten Gemüter da unten zu beruhigen",
berichtet er, "die einen loben ihren Erich, die anderen schimpfen
wie die Rohrspatzen." Aber meist herrscht einfach nur gespanntes
Interesse, wenn die schwere Stahltür sich hinter den Besuchern
schließt.
Am Eingang sind noch Schutzanzüge und Duschen zur Entgiftung
zu sehen.
Notstromaggregate, Tankanlagen und Klimakontrolle arbeiten längst
nicht mehr.
In dreistöckigen Betten sollte die mindestens 42köpfige
Bunkerbesatzung schlafen.
Nur ein Bruchteil der 1754 hauptamtlichen Stasi-Mitarbeiter und
keiner der 4.000 inoffiziellen Mitarbeiter (IM) im Bezirk Suhl wäre
hier untergekommen. Für ein Jahr hätte der Wasservorrat
gereicht.
Von einem direkten Atomtreffer sind die Generale und Offiziere im
wenig besiedelten Gebirge nicht ausgegangen, hier ging es nur ums
Durchhalten. Gegen den "Bunkerkoller" wurden Unmengen
von ruhigstellenden Medikamenten gebunkert.
Höhepunkt des Rundganges durch Nachrichtenanlagen, Toilettenzellen
und Speisesälen sind die Kommandozentrale und das Chefzimmer.
An Wänden und Tischen sind noch die alten Stabskarten des Bezirkes
Suhl zu sehen, im Wohnzimmer des Kommandeur steht einsam ein alter
Holzkopf. Er soll den russischen Japanspion Richard Sorge darstellen.
In Vitrinen wölben sich vergessene Bunkernahrung und Dosenbrot.
Schließt sich die schwere Stahltür am Ende einer Führung
herrscht hier nur noch eine Stille und Dunkelheit. |
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